ITSM-Reifegrad-Checkliste
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Checkliste erhalten →Vergleich von SolarWinds Additional Polling Engine und Platform Remote Collector mit Fokus auf Skalierung, Funktionsumfang, Firewall-Anforderungen, Betrieb und DMZ-Architekturen.
Wer SolarWinds über mehrere Standorte, Netzwerkzonen oder eine DMZ verteilt, stößt früher oder später auf zwei unterschiedliche Polling-Ansätze: die Additional Polling Engine (APE) und den SolarWinds Platform Remote Collector.
Beide bringen Monitoring näher an die Zielsysteme. Sie sind aber keine austauschbaren Varianten derselben Architektur. Eine APE ist eine vollwertige SolarWinds-Skalierungsengine mit breiter Funktionsabdeckung und hoher Polling-Kapazität. Ein Remote Collector ist bewusst schlanker: Er ist für entfernte, bandbreitenarme oder stark segmentierte Netze gedacht und reduziert die zentrale Kommunikation auf Kosten von Kapazität und Funktionsumfang.
Gerade in einer DMZ ist dieser Unterschied relevant. Dort entscheidet nicht nur, was überwacht werden kann, sondern auch, welche Systeme über die Zonengrenze kommunizieren dürfen, ob direkter Datenbankzugriff zulässig ist und wie viele Firewall-Freigaben dauerhaft betrieben werden müssen.
Die Angaben in diesem Artikel beziehen sich auf die von SolarWinds im September 2026 veröffentlichte Dokumentation. Die tatsächlichen Limits hängen von Produkt, Lizenz, Version, Polling-Protokoll, Polling-Intervallen und Hardware ab. Vor einer Umsetzung sollte deshalb immer die aktuelle Support- und Portmatrix der eingesetzten Version geprüft werden.
| Frage | Additional Polling Engine | Platform Remote Collector |
|---|---|---|
| Wofür gedacht? | Skalierung, hoher Durchsatz, breiter Funktionsumfang | Kleine/entfernte/segmentierte Netze, DMZ, WAN |
| Zentrale DB-Verbindung | Ja | Nein |
| Zentrale Kommunikation | Mehrere Plattformports | TCP 17778 outbound |
| Kapazität | Produkt- und protokollabhängig, deutlich höher | Max. 1.000 Elements je Collector |
| Funktionsabdeckung | Breit | Bewusst eingeschränkt |
| NAT / Proxy | Normale Plattform-Netzanforderungen | NAT-fähig, authentifizierter Proxy unterstützt |
| Offline-Puffer | Kein Kernmerkmal | Bis zu 24 Stunden |
| Typischer DMZ-Fit | Technisch möglich, aber mehr Trust Paths | Häufig die erste Architektur, die geprüft werden sollte |
Die praktische Entscheidung lautet daher selten „welcher Poller ist besser?“, sondern eher: Brauche ich die Funktionsbreite und Skalierung einer APE – oder ist das schlankere Kommunikationsmodell des Remote Collectors wichtiger?
Eine Additional Polling Engine erweitert die Polling-Kapazität einer SolarWinds-Installation. Sie ist eng in die zentrale SolarWinds-Plattform integriert und kann einen deutlich größeren Funktionsumfang abdecken als ein Remote Collector.
Typische Vorteile sind:
Die Kehrseite ist die engere Plattformkopplung. Nach den aktuellen SolarWinds Port Requirements benötigt eine APE für ihre Plattformkommunikation je nach Version und eingesetzten Features unter anderem:
UDP 1434 ist nur erforderlich, wenn SQL Server Browser beziehungsweise dynamische SQL-Ports verwendet werden.
Für eine interne Serverzone ist diese Plattformkommunikation häufig unkritisch. In einer DMZ ist insbesondere der direkte SQL-Zugriff ein relevanter Architekturpunkt: Ein kompromittierter Polling-Server besitzt damit einen direkten Netzwerkpfad zu einem internen Datenbankdienst.
Häufig wird für SolarWinds die Zahl 12.000 Elements pro Polling Engine genannt. Diese Zahl ist weiterhin eine sinnvolle generische Planungsgröße für klassische NPM-Deployments bei Standardintervallen. SolarWinds empfiehlt außerdem, bereits ab ungefähr 10.000 Elements beziehungsweise einer Polling Rate über 85 Prozent über Lastverteilung oder zusätzliche Engines nachzudenken.
Sie ist aber kein universelles technisches Maximum.
In aktuellen SolarWinds-Observability-Self-Hosted-Enterprise-Scale-Szenarien nennt SolarWinds deutlich höhere protokollabhängige Werte. Für den dokumentierten 2025.4-Stand sind beispielsweise Größenordnungen von bis zu:
beschrieben, jeweils abhängig von CPU-Ausstattung, Lizenzmodell und Standard-Pollingfrequenzen. Mit zusätzlichen CPU-Cores können einzelne Limits weiter steigen.
Die entscheidende Erkenntnis lautet daher: APE-Kapazität muss immer gegen das konkrete Produkt- und Lizenzmodell dimensioniert werden. Eine pauschale Gegenüberstellung „12.000 gegen 1.000“ ist für moderne Enterprise-Scale-Deployments zu grob.
Der SolarWinds Platform Remote Collector verfolgt einen anderen Ansatz. Er basiert auf der SolarWinds-Agent-Technologie, führt die Polling-Jobs aber lokal für andere Geräte aus. Damit können Systeme im entfernten Netz weiterhin agentless über WMI oder SNMP überwacht werden, während die zentrale Rückkommunikation über die Agent-Verbindung läuft.
Der wichtigste Unterschied: Ein Remote Collector benötigt keine direkte Verbindung zur SolarWinds Platform Database.
SolarWinds dokumentiert für seine zentrale Kommunikation TCP 17778 outbound vom Collector zur SolarWinds Platform. Die Verbindung ist agent-initiiert. Der Collector ist NAT-fähig und unterstützt authentifizierte Proxy-Traversierung. SolarWinds nennt DMZs, Branch Offices, Cloud-Netze sowie Low-Bandwidth- und High-Latency-Verbindungen ausdrücklich als typische Einsatzszenarien.
Weitere Eigenschaften:
Aus Security-Sicht reduziert das die Anzahl der Trust Paths erheblich. Aus Betriebssicht ist zusätzlich interessant, dass ein kurzzeitiger WAN-Ausfall nicht sofort eine Monitoring-Lücke erzeugen muss.
Der Remote Collector ist trotzdem kein Reverse Proxy. Er ist ein eigenständiger Poller mit lokalem Job Engine und einem agent-initiierten Rückkanal zur Plattform.
In einer DMZ ist die Frage oft nicht, ob eine APE technisch funktioniert. Sie funktioniert. Die wichtigere Frage ist, ob ihre Verbindungen zur internen Plattform gewünscht sind.
Vereinfacht sieht der Unterschied so aus:
Additional Polling Engine in der DMZ
-> SQL / TCP 1433
-> Main Polling Engine / TCP 5671
<-> SolarWinds Platform / TCP 17777
-> Monitoring-Zielsysteme
Remote Collector in der DMZ
-> SolarWinds Platform / TCP 17778
-> Monitoring-Zielsysteme
Damit ist der Remote Collector bei DMZ-Designs häufig die erste Architekturvariante, die geprüft werden sollte. Nicht weil er mehr Funktionen bietet, sondern weil sich die zentrale Angriffs- und Kommunikationsfläche leichter begrenzen lässt.
Eine Einschränkung bleibt: Auch der Remote Collector initiiert TCP 17778 aus seinem Netz zur internen SolarWinds-Plattform. Wenn eine Security-Policy jeglichen DMZ-initiierten Traffic nach intern verbietet, erfüllt auch der Remote Collector diese Vorgabe nicht. Er reduziert den Pfad jedoch auf einen klar definierten, agent-basierten Kanal und vermeidet insbesondere die direkte SQL-Verbindung.
Die aktuellen SolarWinds Scalability Engine Guidelines nennen:
Die 1.000-Element-Grenze bedeutet nicht 1.000 Geräte. Ein Switch kann einen Node und Dutzende oder Hunderte Interfaces erzeugen. Ein Server kann zusätzlich Volumes und weitere überwachte Objekte beisteuern.
Ein einfaches Beispiel:
| Umgebung | Grobe Elementzahl |
|---|---|
| 200 Server, je 1 Node + 3 Volumes | ca. 800 Elements |
| 40 Switches, je 1 Node + 24 Interfaces | ca. 1.000 Elements |
| 25 Switches, je 1 Node + 48 Interfaces | bereits über 1.200 Elements |
Das sind nur Planungsbeispiele, keine SolarWinds-Lizenzberechnung. Sie zeigen aber, warum Device Count allein für Remote-Collector-Sizing nicht ausreicht.
SolarWinds empfiehlt außerdem, einen Collector nahe am 1.000-Element-Limit hardwareseitig eher wie eine kleine SolarWinds-Platform-Installation auszulegen. Ein „leichtgewichtiger Collector“ ist also nicht automatisch eine minimale VM, wenn er voll ausgelastet werden soll.
Der Remote Collector läuft aktuell auf Windows. SolarWinds listet unter anderem Windows Server 2012 R2 bis 2025 sowie Windows 10 und 11 als unterstützte Plattformen; Linux und AIX sind für den Remote Collector nicht unterstützt. Der Host benötigt außerdem:
Server-initiated Agent Communication wird für Remote Collectors ausdrücklich nicht unterstützt.
Für eine DMZ bedeutet das: Das schlankere Netzwerkmodell spart zwar Firewall-Beziehungen, benötigt aber weiterhin einen gepflegten Windows-Server beziehungsweise Windows-Host in der Zone.
SolarWinds weist ausdrücklich darauf hin, dass ein Remote Collector nicht alle Metriken und Funktionen einer Additional Polling Engine unterstützt.
Die aktuelle Supportmatrix nennt den Remote Collector für:
Unterstützt werden unter anderem gemeinsame Plattformmetriken wie:
Für NPM dokumentiert SolarWinds zusätzlich unter anderem:
Für SAM werden unter anderem genannt:
Die aktuelle SAM-Dokumentation zum Remote Collector nennt beispielsweise:
Auch der SolarWinds API Poller Requirements weist ausdrücklich darauf hin, dass API Poller weder Agent Polling noch Remote Collectors unterstützen.
Ein wichtiger Architekturfehler ist, aus der Aussage „NAM unterstützt Remote Collector“ abzuleiten, dass damit automatisch jede Funktion von NPM, NCM, NTA, IPAM, UDT und VNQM über den Collector ausgeführt wird.
Die SolarWinds-Supportmatrix differenziert hier: Sie nennt für NAM zunächst Common SolarWinds Platform Metrics und führt anschließend konkrete NPM-Funktionen auf. Für spezielle Modul-Workflows muss die Unterstützung separat geprüft werden.
Für ein Design-Review ist deshalb die bessere Frage nicht:
„Unterstützt unser Produkt Remote Collector?“
sondern:
„Unterstützt der Remote Collector genau die Polling-Methode, den Monitor-Typ und den Modul-Workflow, den wir an diesem Standort benötigen?“
Das gilt besonders für Configuration Management, Flow, spezielle Application Monitors und individuell entwickelte Checks.
Remote Collectors verwenden Agent-Technologie für ihre eigene Plattformkommunikation, können aber nicht beliebig mit agent-basiertem Node Monitoring kombiniert werden.
SolarWinds dokumentiert ausdrücklich:
Für SAM ist zusätzlich die Lizenzierung entscheidend: Remote Collector wird dort mit node-basierter Lizenzierung unterstützt.
Wer heute viele Agent-Nodes betreibt, muss diesen Punkt deshalb früh in die Architekturplanung aufnehmen.
Noch ein Kapazitätsdetail: Laut SolarWinds reduziert jeder eingesetzte Remote Collector die maximale Agent-Skalierung seines zugeordneten Polling Engines rechnerisch um zehn Agents. In Umgebungen mit sehr vielen SolarWinds Platform Agents kann das relevant werden.
Ein praktischer Stolperstein bei bestehenden Umgebungen ist die Migration.
Ein auf einem Main Polling Engine oder einer Additional Polling Engine installierter Agent kann nicht zu einem Remote Collector promoted werden. Eine bestehende APE lässt sich deshalb nicht einfach per Klick in einen Remote Collector umwandeln.
Auch der Rückweg ist nicht symmetrisch: Ein Remote Collector kann nicht direkt zurück in einen normalen SolarWinds Platform Agent „demoted“ werden. SolarWinds beschreibt dafür einen Abbauprozess:
Für DMZ-Migrationsprojekte ist deshalb oft ein neuer Collector-Host parallel zur bestehenden APE die risikoärmere Pilotvariante. Nodes können anschließend kontrolliert zwischen APE und Remote Collector verschoben werden.
SolarWinds beschreibt Remote Collectors ausdrücklich für Low-Bandwidth- und High-Latency-Szenarien. Der lokale Poller führt seine Jobs am Standort aus und sendet Ergebnisse anschließend zentral zurück.
Bei einer APE ist das anders: SolarWinds weist darauf hin, dass nur wenig Monitoring-Traffic zwischen Main Polling Engine und einer entfernten APE anfällt, der größte Teil des Monitoring-Traffics aber zwischen APE und SolarWinds-Datenbank läuft.
Das ist ein entscheidender Punkt für Standortdesigns. Eine APE am anderen Ende einer langsamen oder instabilen WAN-Strecke kann zwar die Zielsysteme lokal poll-en, bleibt aber stark von der Datenbankanbindung abhängig. Der Remote Collector entkoppelt genau diesen Teil und kann Ergebnisse bei Verbindungsunterbrechungen bis zu 24 Stunden zwischenspeichern.
Die 24-Stunden-Pufferung ist allerdings kein Ersatz für High Availability oder Disaster Recovery. Sie hilft bei temporären Netzwerkunterbrechungen, nicht beim dauerhaften Ausfall des Collector-Hosts.
Der Remote Collector ist betrieblich enger an den Agent-Lifecycle gekoppelt:
Das reduziert den separaten Upgrade-Aufwand an vielen kleinen Standorten.
Eine APE ist dagegen eine vollwertige Scalability Engine und Teil des zentralen SolarWinds-Upgradepfads. Sie benötigt entsprechend mehr Plattformkomponenten, Ressourcen und Netzwerkkommunikation, bietet dafür aber auch den breiteren Funktionsumfang.
| Kriterium | Additional Polling Engine | Platform Remote Collector |
|---|---|---|
| Architektur | Vollwertige Scalability Engine | Leichtgewichtiger Remote-Poller auf Agent-Basis |
| Kapazität | Produkt-/Protokoll-/Lizenzabhängig, deutlich höher | Max. 1.000 Elements je Collector |
| Direkte DB-Verbindung | Ja | Nein |
| Zentrale Kommunikation | Mehrere Plattformports | TCP 17778 outbound |
| NAT / Proxy | Normale Plattform-Netzanforderungen | NAT-fähig, authentifizierter Proxy |
| Offline-Pufferung | Kein Kernmerkmal | Bis zu 24 Stunden |
| Funktionsumfang | Breit | Eingeschränkt und supportmatrixabhängig |
| SAM-Lizenzierung | Produkt-/APE-Modell | Node-based erforderlich |
| Agent-polled Nodes | Unterstützt je Produktdesign | Können nicht über RC gepollt werden |
| API Poller | Ja, abhängig von SAM/Plattform | Nicht unterstützt |
| Container / JMX | Mit passenden Modulen | Nicht unterstützt |
| OS des Pollers | Unterstützte Windows-Server-Versionen | Windows, kein Linux/AIX |
| Upgrade | Scalability-Engine-Upgrade | Automatisch über Agent-Pfad |
| DMZ-Eignung | Möglich, aber mehr zentrale Trust Paths | Häufig erste Prüfoption |
| WAN / hohe Latenz | DB-Verbindung bleibt wichtig | Explizit für solche Szenarien vorgesehen |
Eine Additional Polling Engine ist meist die robustere Wahl, wenn:
Für große Rechenzentren und komplexe Monitoring-Zonen ist die APE deshalb häufig die planbarere Plattformkomponente.
Ein Remote Collector sollte besonders geprüft werden, wenn:
Für SNMP-basiertes Infrastrukturmonitoring und viele klassische SAM-Szenarien kann dieses Modell sehr gut passen.
APE und Remote Collector müssen nicht exklusiv eingesetzt werden. SolarWinds unterstützt das Verschieben von Nodes zwischen Remote Collectors und APEs.
Ein typisches Hybridmodell kann so aussehen:
Der Nachteil: Sobald für Sonderfälle weiterhin eine APE in derselben DMZ benötigt wird, verliert man einen Teil des vereinfachten Security-Modells. Deshalb sollten Ausnahmen nicht erst nach der Installation, sondern bereits bei der Template- und Monitor-Inventur erkannt werden.
Vor der Entscheidung helfen zehn konkrete Fragen:
Diese Fragen erzeugen meist schneller eine belastbare Entscheidung als ein rein theoretischer Produktvergleich.
Für eine DMZ oder Remote-Site empfiehlt sich ein kleiner, aber repräsentativer Pilot. Zum Beispiel:
Im Pilot sollten nicht nur Metriken geprüft werden. Ebenso wichtig sind:
Additional Polling Engine und Platform Remote Collector lösen unterschiedliche Probleme.
Eine APE bietet deutlich mehr Kapazität und den breiteren Funktionsumfang, benötigt dafür aber eine engere Integration mit der zentralen SolarWinds-Plattform und Datenbank. Ein Remote Collector reduziert diese Trust Paths erheblich und ist deshalb besonders für DMZs, Branch Offices, Cloud-Netze sowie High-Latency- und Low-Bandwidth-Szenarien interessant. Dafür gelten ein klares 1.000-Element-Limit je Collector und funktionale Einschränkungen.
Für DMZ-Projekte ist der Remote Collector daher häufig die erste Architektur, die fachlich und sicherheitstechnisch geprüft werden sollte. Die Entscheidung sollte aber erst fallen, nachdem Elementzahlen, konkrete Monitor-Typen, Agent-Nutzung, Lizenzierung und Security-Regeln gegen die tatsächliche Supportmatrix geprüft wurden.
Wenn Sie Ihre SolarWinds-Polling-Architektur, DMZ-Segmentierung oder bestehende Monitoring-Landschaft überprüfen möchten, finden Sie weitere Informationen unter Observability & Monitoring. Für ein konkretes Architektur-Review können Sie heureka kontaktieren.
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